RE: Leitbild-Entwurf

Seit dem vergangenen Semester befindet sich die KSHG auf dem Weg zu einem neuen Leitbild. Es soll verschriftlicht werden, was uns als Gemeinde leitet und wie und worauf hin wir Gemeinde sein wollen.

Ein erster Entwurf wurde nach einer Online-Umfrage (hier geht es zu den Ergebnissen) und mehreren vorbereitenden Elementen erstellt und heute zum Semesterstart vorgestellt. Wer nicht die Möglichkeit hat, den Entwurf vor Ort auf dem Markt der Möglichkeiten zu kommentieren, ist herzlich eingeladen, die Kommentierungsfunktion der Homepage zu nutzen und seine Gedanken und Änderungswünsche zum Leitbildentwurf bis Freitag Mittag (12.10.2018) hier unten mitzuteilen.

Hier nun der Entwurf, der zur Diskussion steht:

WIR SIND:

Wir sind die Katholische Studierenden- und HochschulGemeinde in Münster.
Als junge Kirche an Uni und FH sind wir Teil der katholischen Kirche.
Das bedeutet für uns, nach eigenen Wegen suchen, Kirche zu sein und christlichen Glauben zu leben.
Diese Wege gehen wir als Studierende und andere Interessierte unterstützt durch ein Team von Hauptamtlichen. Dafür haben wir Gelder und Räumlichkeiten inmitten von Münster zur Verfügung.
Jede*r ist willkommen. Jede*r kann Gemeindeleben mitgestalten. Jede*r kann strukturell Verantwortung übernehmen.

UNSER ANSPRUCH:
„So spricht der Herr: Stellt euch an die Wege und haltet Ausschau, fragt nach den Pfaden der Vorzeit, fragt, wo der Weg zum Guten liegt; geht auf ihm, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele!“ (Jeremia 6,16)
Die Frage nach dem Guten – für jede*n Einzelne*n
und die Gesellschaft – soll für uns leitend sein.

„stellt euch an die Wege und haltet Ausschau,
Alle Studierende bringen Begabungen und Interessen über das Studium hinaus mit.
Unser Anspruch ist es ein Ort zu sein, an dem diese ausgelebt und entfalten werden können. Wir wollen ermöglichen, Kultur zu erfahren und zu schaffen, sowie aktuelle Themen in Politik und Gesellschaft nachzugehen. Zudem wünschen wir uns Impulse für neue Formate.

fragt nach den Pfaden der Vorzeit,
Das Studium beginnt jede*r mit Prägungen, zugleich können in dieser Lebensphase Fragen noch einmal neu und anders gestellt werden.
Unser Anspruch ist es Raum für Glaubenssuche zu geben und das Erleben christlichen Glaubens in alltäglichen Lebenswelten zu ermöglichen. Zusammen versuchen wir ansprechende Gottesdienste zu feiern, in denen studentische Vielfalt zum Ausdruck kommt.

fragt, wo der Weg zum Guten liegt,
Viele Gruppen in Münster verfolgen in bestimmten Punkten ähnliche Ziele wie wir. Viele Studierende suchen Anknüpfungsstellen, um sich zu engagieren.
Unser Anspruch ist es mit allen, die wollen, zusammenzuarbeiten, um Netzwerke zu schaffen und das Hochschulleben in Münster zu bereichern. Darüber hinaus wollen wir selbst Verantwortung übernehmen, das heißt vor allem Ressourcen nachhaltig zu nutzen.

geht auf ihm, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.“
Das Studium ist eine Lebensphase des Ausprobierens und Entscheidens innerhalb einer Fülle von Angeboten.
Unser Anspruch ist es für Studierende kostengünstige Angebote in leistungsfreier und respektvoller Atmosphäre zu schaffen. Darüber hinaus geben wir die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und einzuüben sowie Ruheräume zu finden.

DAS HEIßT:
Diese Ansprüche werden wir in den Fokus nehmen und Anderes dafür lassen. Dafür haben wir uns einen Zeitraum von drei Jahren gesetzt. Dabei werden wir uns regelmäßig folgende Fragen stellen:
Findet jede*r die Möglichkeit bei uns Anschluss zu finden?
Findet unser Angebot in einer Atmosphäre der Aufmerksamkeit füreinander statt?
Findet in unserem Wirken die Frage nach Gott ausreichend Platz?

Falls du etwas davon nicht wiederfindest, beschwer dich und misch dich ein!

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Liebes KSHG-Team,

nachdem ich beim Semester-Eröffnungsgottesdienst das vorläufige Leitbild gehört habe, möchte ich euch für die Mühe danken, die ihr in die Entwicklung eines neuen Leitbildes steckt. Darüber hinaus möchte ich euch eine ausführliche Rückmeldung zu dessen Inhalt geben.

Der gewählte Bibelvers Jer 6:16 beschreibt in meinen Augen hervorragend den studentischen Lebensabschnitt und das Ringen junger Menschen um Sinn im Leben. Gleichzeitig ist dieser Ansatz deskriptiv und bleibt für mich klar hinter dem Sinn eines LEIT-Bildes zurück. Ich lese in der bisherigen Ausarbeitung zahlreiche, angestrebte Ansätze und Methoden: Auf Menschen zugehen, sie dort abholen, wo sie stehen, und gemeinsam auf Selbstsuche gehen. Das halte ich in zweiter Instanz auch für wichtig. Ein Leitbild, die erste Instanz, sollte meiner Meinung nach dem Ausdruck verleihen, was das Herzstück der Gemeinde ist. Dieser Kern von Kirche, nämlich der Glaube an und die Begegnung mit Jesus Christus, wird für mich im bisher erarbeiteten Leitbild nicht deutlich.

Die „Frage nach dem Guten“ – die stellt sich jeder Mensch. Die christliche Kirche zeichnet sich als Organisation in dieser Welt jedoch dadurch aus, dass sie glaubt, das Gute gefunden zu haben. In Jesu Tod, Auferstehung und der Bedeutung dessen für jeden Einzelnen (Identität, Vergebung, Freiheit, etc.) liegt die Begründung der Existenz unserer Kirche. Das heißt nicht, dass wir Jesu Gegenwart immer mit Händen greifen können oder seinen Willen für diese Welt immer verstehen. Deshalb schätze ich den Ansatz des Leitbildes, als Gemeinde gemeinsam miteinander zu suchen. Dennoch wünsche ich mir, dass klar wird, wo wir suchen. Die Kirche irrt nicht orientierungslos umher, sondern bietet den wundervollen Rahmen, alle Lebensfragen vor dem Hintergrund des Lebens und Wirkens Jesu zu betrachten. In all den vielfältigen Formaten, von Yoga bis hin zum Hauskreis, sollte dieser „Hintergrund“ Jesus durchscheinen und lebendig werden. Nicht immer mit Worten, aber spürbar.

Bei Jesus in die Lehre gehen, mein Leben mit ihm gestalten, das ist Nachfolge Jesu bzw. Jüngerschaft. Jesus selbst bezeichnet das als zentralen Punkt des Christ-Seins und so glaube ich, dass Jüngerschaft ein gutes Leitbild für die KSHG wäre. Interessanterweise ist Mt 11:28-29 eine Parallelstelle zu Jer 6:16. „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele.“ Hier wird klar, wer uns Ruhe verschafft und wem wir nachfolgen dürfen.

Ein anderes Symbol, das für mich als Leitbild geeignet scheint, ist das Licht. „Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh 8:12) Jesus selbst will unser Licht sein und uns Orientierung geben. An anderer Stelle macht er außerdem klar, dass wir als Christen sein Licht in die Welt bringen und seine lebendigen Zeugen sein sollen (Mt 5:14). Jesus begegnen, sein Licht tanken und daran selbst zur sprudelnden Quelle für andere werden (Joh 4:14) – das ist, was die Jünger Jesu als frühe Kirche lebten, und entspricht dem Geist des zweiten Vatikanischen Konzils.

Die Herausforderung ist: Wie weit müssen unsere Worte weltlich werden, um gehört und verstanden zu werden? Wie explizit werden wir beim Leitbild, ohne Menschen abzuschrecken? Jesus wird nicht ohne Grund als Eckstein bezeichnet, an dem sich die versammelte Gelehrtengemeinschaft gestoßen hat. Und trotzdem, seine unbequemen Worte haben Menschen aufgerichtet und sie sind durch die Begegnung mit ihm geheilt worden. Bei IHM „finden wir Ruhe für unsere Seele“. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Menschen von authentischem, entschiedenen Glauben angezogen werden. Er macht sie hungrig, nach mehr zu fragen. Deshalb glaube ich, dass wir die Quelle christlichen Glaubens klar bezeichnen sollten. Um verständliche Worte ringend, ja, aber mit großer Klarheit und einer Prise Mut. Traut euch, Jesus beim Namen zu nennen, insbesondere fürs Leitbild.

Ich wünsche euch allen ein gesegnetes Ratswochenende.

Viele Grüße, Dorothea

beantwortet am 12. Oktober 2018
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